Maurice de Martin - Spezialist für Zeitdesign

CHRONARTA wird von Maurice de Martin geleitet – Musiker, Komponist, forschender Künstler mit MA "Contemporary Arts Practice" und Hochschuldozent. Seine Arbeit bewegt sich seit über zwei Jahrzehnten an den Schnittstellen von Kunst, Wissenschaft, Bildung und institutioneller Praxis.

Die Grundlage von CHRONARTA ist seine langjährige, kontinuierliche Arbeit mit hochentwickelten Formen von Zeitpraktiken in unterschiedlichsten künstlerischen und außerkünstlerischen Kontexten: in Hochschulen, Kliniken, internationalen Institutionen, künstlerischen Produktionszusammenhängen und transdisziplinären Forschungsprojekten. In all diesen Feldern wurde Zeit nicht als Rahmen vorausgesetzt, sondern als gestaltbares Medium verstanden und praktisch erprobt.

Über knapp zwei Dekaden entwickelte MdM z.B. Lehrformate im inter- und transdisziplinären Kontext, unter anderem an der Medizinischen Hochschule Brandenburg "Theodor Fontane" sowie an der Hochschule der Künste Bern in der Schweiz. Studierende aus Psychologie, Medizin, Therapie, wie auch praktisch allen künstlerischen Disziplinen arbeiten mit ihm über Zeit als gestaltbaren Erkenntnis-, Erfahrungs- und Handlungsraum: Lernen als interaktiver Prozess, Aufmerksamkeit als Praxis, Rhythmus als Strukturierung von Erkenntnis. Diese Formate sind übertragbar, langfristig angelegt, werden kontinuierlich weiterentwickelt und zeichneten sich durch eine ungewöhnlich positive Resonanzdichte aus.

Parallel dazu arbeitete MdM über mehrere Jahre als Cultural Consultant mit den Vereinten Nationen in Europa, Afrika und den USA. In partizipatorischen Werken zwischen Institution und Gesellschaft entstanden zeitlich strukturierte Interaktionsräume, in denen Übergänge – zwischen Individuum und Organisation, Alltag und Politik – bewusst gestaltet wurden. Zeitpraxis fungierte hier als vermittelndes Element zwischen sehr unterschiedlichen Machtgefügen.

MdMs künstlerische Praxis ist eng mit kollektiv-performativen Arbeitsformen verbunden. Als langjähriges Mitglied eines der weltweit wichtigsten Ensembles zeitgenössischer Musik Zeitkratzer sowie als musikalischer Direktor an der Berliner Schaubühne entstand eine intensive Auseinandersetzung mit den Prinzipien des Probens, der Wiederholung, der Präsenz und der Entscheidungsfähigkeit unter hohem Produktionsdruck in komplexen und volatilen Gemengelagen. Diese Erfahrungen prägen das Verständnis von Rhythmus und Setzung, aber auch Autorschaft und Gemeinschaftsgut, das CHRONARTA zugrunde liegt.

In professionellen wissenschaftlichen Forschungszusammenhängen – unter anderem im FWF-Projekt Knowledge through Art / Erkenntnis durch Kunst – sowie in klinisch-psychiatrischen Projekten wie Just Intonation zeigte sich, dass Zeit nicht nur organisiert, sondern epistemisch wirksam werden kann: als Medium, in dem Wahrnehmung, Beziehung und Handlung immer wieder neu entstehen und damit auch verhandelt werden können. Auch unter extremen Bedingungen – etwa in Pandemie-Logdown-bedingten in internationalen Remote-Formaten oder in Austauschprojekten über geschlossene Grenzen hinweg – erwies sich MdMs Verständnis einer kultivierten Zeitpraxis als tragfähige Grundlage kollektiver Prozessarbeit.

CHRONARTA ist aus der Verdichtung all dieser Erfahrungen hervorgegangen. Als methodische Praxis, die aus realer Arbeit mit realen Menschen in realen Situationen entstanden ist, will sie weniger übertragbares Modell und standardisiertes Programm, als eine methodische Praxis sein, die immer weiter entwickelt wird. So gründet sich die Expertise von CHRONARTA in der Erfahrung, Setzung und der Fähigkeit, Zeit so gestalten zu können , dass außergewöhnliche Handlung möglich wird.

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Maurice de Martin: Zeit spielbar machen!

Edukatives Zeitpraxis-Projekt mit Landfrauen, Frankenberg/Sa. 2023
Foto: Kevin Obst

Beispiele angewandten Zeitdesigns

Medizinische Hochschule Brandenburg – Studium Fundamentale: Acht Jahre Lehrpraxis im medizinischen Kontext 

Seit 2018 entwickelt und leitet MdM Lehrformate im transdisziplinären Gefäß des StuFu (Studium Fundamentale) an der Medizinischen Hochschule Brandenburg "Theodor Fontane". Die Seminare richteten sich an Masterstudierende aus Psychologie, Psychiatrie, Therapie und Medizin und fokussierten Persönlichkeitsbildung, Aufmerksamkeitsarbeit und Zeitwahrnehmung. Die kontinuierlich früh ausgebuchten und exzellent evaluierten Formate machten Zeit selbst zum didaktischen Medium: Lernen als gemeinsam wie auch individuell gestaltbarer Prozess. (2018-heute)

Vereinigte Nationen Unknown Spaces
Interaktion & Timing zwischen  Institution und Individuum

Als "Cultural Consultant" arbeitete MdM über sechs Jahre hinweg mit den Vereinten Nationen in ihren Hauptquartieren in Wien, Genf, Nairobi und New York City. Im Langzeitprojekt Unknown Spaces entwickelte er zusammen mit der forschenden Künstlerin Janina Janke Formate, die Mitarbeitende der UN und angrenzende Communities in zeitlich strukturierten Begegnungsräumen zusammenführten. Im Zentrum stand die Gestaltung von Übergangszonen zwischen Individuum und Institution, Politik und Alltag und evozierten dabei jeweils ein besonderes "Timing". Das Projekt erhielt eine besondere Erwähnung durch den UN-Generalsekretär Ban Ki-moon sowie die Direktion des UN-Hauptquartiers in Genf. (2010-2016)

Hochschule der Künste Bern / Schweiz Y Institut für Transdisziplinarität: Zwölf Jahre transdisziplinäre Lehre 

Am Y Institut der Hochschule der Künste Bern konzipierte und realisierte MdM über zwölf Jahre hinweg mehr als zwanzig Lehrformate an der Schnittstelle von Kunst, Wissenschaft und Persönlichkeitsbildung. Besonders während der Corona-Zeit entstanden zweijährig Remote-Formate, die zeigten, wie Zeit – rhythmisch und strukturell gestaltet – auch unter Bedingungen räumlicher Trennung Beziehung, Aufmerksamkeit und kollektives Lernen tragen kann. (2010-2022)

FWF-Forschungsprojekt Knowledge through Art
Zeit als epistemisches Medium

Fünf Jahre lang war MdM Mitglied des österreichischen FWF-Forschungsprojekts Erkenntnis durch Kunst (Alpen-Adria-Universitäten Wien, Graz, Klagenfurt). In der Zusammenarbeit von Künstlern und Wissenschaftler entstanden erste systematische Experimente mit dem Ensemble-Probe-Prinzip: Gruppen als temporäre Erkenntnisinstrumente, Zeit nicht als Rahmen von Forschung, sondern als aktiver Wissensgenerator. (2010-15)

Schaubühne am Lehniner Platz: Zeitpraxis im Hochleistungskontext internationale Theaterbühne

Fünf Jahre lang war MdM musikalischer Direktor an der Schaubühne in Berlin, einem der bedeutendsten Theater Europas. In der Arbeit mit international renommierten Schauspieler und Regisseure entstanden großformatige Theatermusiken für komplexe Raum-Zeit-Situationen. Probe, Wiederholung, Rhythmus und Präsenz wurden hier unter realem Produktionsdruck zu zentralen Werkzeugen der Zeitgestaltung. (2005-2010)

RADIO INSTANTOPIA internationaler Medienkunst & Kulturaustausch: digitale Zeitpraxis über geschlossene Grenzen hinweg

Während der Corona-Pandemie leitete Maurice de Martin das Projekt RADIO INSTANTOPIA: einen achtmonatigen Medienkunst- und Kulturaustausch zwischen Jugendlichen aus Kaliningrad sowie aus Berlin und Brandenburg. Zwei Gruppen, die sich nie begegneten und sich vermutlich nie treffen werden, entwickelten dennoch einen intensiven gemeinsamen Arbeitsprozess. Instant Topia entstand als imaginärer, zeitlich erzeugter Ort – ein Beispiel für Zeitdesign unter Bedingungen der Unmöglichkeit. (2019-20) Das Projekt wurde gefördert von der Bundesbeauftragten für Kultur und die Medien.

Ensemble Zeitkratzer 25 Jahre kollektive Zeitpraxis

Seit über 25 Jahren ist MdM festes Mitglied des international renommierten Avantgarde-Ensembles Zeitkratzer. In dieser Konstellation entstanden über 25 Alben, die weltweit als Referenz für zeitgenössische Klang- und Zeitästhetik gelten. Zeitkratzer fungiert als radikales Zeitlabor: hyperkomplexe Strukturen, offene Formen und höchste Anforderungen an Aufmerksamkeit, Präsenz und kollektive Intelligenz. Das "Ensemble-Prinzip" von CHRONARTA ist natürlich auch aus dieser langjährigen musikalischen Kollektivpraxis hervorgegangen. (seit 1999)

JUST INTONATION - Komposition von Zeitläufen und Zuständen in der Psychiatrie

Konzeption und Leitung des Projekts Just Intonation an der psychiatrischen Abteilung der Immanuel Klinik Rüdersdorf bei Berlin. Über neun Monate arbeitete Maurice de Martin zusammen mit der Regisseurin Janina Janke aktionsforschend im Klinikalltag mit Patienten und Mitarbeitenden. Patienten entwickelten grafische Partituren ihrer seelischen Zustände, die unter ihrer Leitung von einem Ensemble aus Ärzt:innen und professionellen Musiker:innen (u. a. aus dem Umfeld der Berliner Philharmoniker) einstudiert und uraufgeführt wurden. Das wissenschaftlich begleitete Projekt zeigte exemplarisch, wie Zeitdesign in einem hochsensiblen institutionellen Kontext neue Formen von Beziehung, Handlung und Wahrnehmung ermöglichen kann. Das Projekt wurde gefördert von der Montag Stiftung Kunst und Gesellschaft und dem Musikfonds e.V. (2018-19)

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